Beschlagnahme Beschluss – Slaughterhouse – You never get out in one piece

Randnotiz

Eine interessante Besonderheit ist, dass Slaughterhouse zum Zeitpunkt seiner Beschlagnahme in Deutschland überhaupt nicht in deutscher Sprache erhältlich war. Betroffen war vielmehr eine ausländische VHS-Fassung, die nur in sehr geringer Stückzahl nach Deutschland gelangt war. Man kann davon ausgehen, dass sich damals lediglich wenige Exemplare im Umlauf befanden.

Die Verbreitung solcher Filme lief Ende der 1980er- und Anfang der 1990er Jahre meist über einen kleinen Kreis von Fans und spezialisierten Videotheken. Häufig wurde eine importierte VHS ausgeliehen, privat auf weitere Kassetten kopiert und so innerhalb der Horrorszene weitergegeben. Nicht selten landeten solche Kopien schließlich auch bei Jugendlichen wie Max Mustermann, was immer wieder zu Beschwerden besorgter Eltern führte und vereinzelt strafrechtliche Ermittlungen nach sich zog.

Gerade in dieser Zeit standen ausländische Horrorfilme verstärkt im Fokus von Behörden und Medien. Viele Beschlagnahmeverfahren entstanden, obwohl die betreffenden Filme nie offiziell auf dem deutschen Markt erschienen waren. Betroffen waren oftmals Importfassungen, die ausschließlich über spezialisierte Videotheken erhältlich waren.

Zu den bekanntesten Anlaufstellen gehörten beispielsweise das Videodrom in Berlin oder der Midnight Movie Shop in Mülheim an der Ruhr. Eine weitere wichtige Bezugsquelle war Video Corner im niederländischen Venlo, wo zahlreiche deutsche Horrorfans Import-VHS kauften, die in Deutschland nicht erhältlich waren.

Ich selbst war damals regelmäßiger Kunde sowohl bei Video Corner in Venlo als auch im Midnight Movie Shop in Mülheim und habe diese Zeit noch gut in Erinnerung. Für viele Sammler und Genrefans waren solche Geschäfte die einzige Möglichkeit, internationale Horrorfilme in ihrer ursprünglichen Fassung zu sehen.

Zensur- und Veröffentlichungsgeschichte von Slaughterhouse (1987)

Slaughterhouse ist ein US-amerikanischer Slasherfilm aus dem Jahr 1987 unter der Regie von Rick Roessler. Der Film erschien mit dem Werbeslogan „You Never Get Out in One Piece“ und gehört zu den klassischen Vertretern der amerikanischen Slasher-Welle der späten 1980er-Jahre. Die Handlung spielt auf einer heruntergekommenen Schweinefarm, auf der Besucher einem brutalen Mörder zum Opfer fallen.

Deutschland

In Deutschland erschien der Film auf VHS bei Arcade Video GmbH. Bereits kurz nach seiner Veröffentlichung geriet die Videofassung in den Fokus der Strafverfolgungsbehörden.

Mit Beschluss des Amtsgerichts München vom 9. April 1987 (Az. 443 Ds 465 b Js 170331/86) wurde der Film bundesweit gemäß § 131 StGB (Gewaltdarstellung) beschlagnahmt. Es folgte am 3. März 1988 der Einziehungsbeschluss unter demselben Aktenzeichen. Beide Entscheidungen wurden später im BPjS-Report dokumentiert und zählen zu den zahlreichen Beschlagnahmeverfahren gegen Horrorfilme der damaligen Videowelle.

Mit der veränderten Rechtsprechung im Bereich der sogenannten „beschlagnahmten Horrorfilme“ verlor auch Slaughterhouse seine strafrechtliche Relevanz. Der Film ist heute in Deutschland wieder legal erhältlich und wurde auf DVD sowie Blu-ray veröffentlicht.

Internationale Situation

Außerhalb Deutschlands unterlag Slaughterhouse keinen vergleichbaren dauerhaften Verboten. In den USA erschien der Film regulär auf VHS und später auf DVD sowie Blu-ray. Auch in zahlreichen europäischen Ländern war der Film – abhängig von den jeweiligen Altersfreigaben – ohne strafrechtliche Beschlagnahme erhältlich.

Gründe für die Beschlagnahme

Die Beschlagnahme beruhte auf der damaligen Auslegung des § 131 StGB. Ausschlaggebend waren insbesondere die für die damalige Zeit als außergewöhnlich drastisch eingestuften Gewaltdarstellungen sowie die explizite Inszenierung einzelner Tötungsszenen. Wie viele Slasherfilme der 1980er-Jahre fiel auch Slaughterhouse der damals sehr restriktiven deutschen Rechtsprechung im Videobereich zum Opfer.

Filmdaten

  • Originaltitel: Slaughterhouse
  • Werbeslogan: You Never Get Out in One Piece
  • Produktionsjahr: 1987
  • Produktionsland: USA
  • Regie: Rick Roessler
  • Drehbuch: Rick Roessler
  • Musik: Joseph Garrison
  • Kamera: Richard J. Benda
  • Schnitt: Sergio Uribe
  • Genre: Slasher / Horror (IMDb)

Darsteller

  • Joe B. Barton – Buddy Bacon
  • Don Barrett – Lester Bacon
  • Sherry Leigh – Liz Borden
  • Bill Brinsfield – Tom Sanford
  • Jane Higginson – Annie
  • Joel Hoffman – Kevin Matthews
  • Courtney Lercara – Michele
  • William Houck – Sheriff Borden
  • Jeff Grossi – Buzz
  • Donna Stevens – Sally Jean Duncan (IMDb)

Alternative Titel

  • Slaughterhouse (Originaltitel)
  • Slaughterhouse – You Never Get Out in One Piece (Tagline auf internationalen Postern)
  • Teilweise fälschlich mit Slaughterhouse Rock in Verbindung gebracht – hierbei handelt es sich jedoch um einen völlig anderen Film aus dem Jahr 1988.

Heute gilt Slaughterhouse als typischer Vertreter des amerikanischen Slasherkinos der 1980er-Jahre. Seine frühere Beschlagnahme ist ein Beispiel für die damals äußerst strenge deutsche Rechtsprechung gegenüber Horrorfilmen auf Video, von der zahlreiche Genrefilme dieser Epoche betroffen waren.

Beschlagnahme Beschluss – LEBENDIG GEFRESSEN

Lebendig gefressen – Beschlagnahmebeschluss des Amtsgerichts Tiergarten, Berlin, vom 15.08.1995 (Az. 351 Gs 3788/95), veröffentlicht im BPjS-Report bzw. später im BPjM Aktuell.

Filmdaten

MerkmalInformation
OriginaltitelMangiati vivi!
Deutscher TitelLebendig gefressen
Jahr1980
ProduktionslandItalien
RegieUmberto Lenzi
DrehbuchUmberto Lenzi
ProduzentenMino Loy, Luciano Martino
MusikBudy Maglione
KameraFederico Zanni
SchnittEugenio Alabiso
Laufzeitca. 88–93 Minuten (je nach Fassung)
GenreHorror, Kannibalenfilm, Exploitation (Wikipedia)

Besetzung

  • Robert Kerman – Mark Butler
  • Janet Ågren – Sheila Morris
  • Ivan Rassimov – Jonas Melvin
  • Paola Senatore – Diana Morris
  • Me Me Lai – Mowara
  • Mel Ferrer – Professor Carter

Alternative Titel

  • Mangiati vivi!
  • Eaten Alive!
  • Eaten Alive by the Cannibals
  • Eaten Alive from the Cannibals
  • The Emerald Jungle
  • Doomed to Die
  • Mangiati vivi dai cannibali
  • Dschungel der Kannibalen
  • Comidos Vivos! (spanischer Markt) (MediabookDB)

Zensur- und Verbotsgeschichte in Deutschland

Indizierung

  • 22.04.1982
  • Indizierung durch die damalige Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS).
  • Aufnahme in die Liste jugendgefährdender Medien wegen der drastischen Gewalt- und Tierquälerelemente.

Beschlagnahme

  • 19.09.1986
  • Amtsgericht München
  • Az.: 443 Gs 181/86
  • Beschlagnahme nach § 131 StGB (Gewaltdarstellung).

Später wurden im Rahmen weiterer Sammelbeschlüsse des Amtsgerichts Tiergarten (u. a. 15.08.1995, Az. 351 Gs 3788/95) zahlreiche Videoauflagen erneut erfasst bzw. bestätigt. Dabei wurden verschiedene Vertriebsfassungen des Films zusammen mit anderen Horrorfilmen beschlagnahmt.

Warum wurde der Film verboten?

Entscheidend waren:

  • außergewöhnlich explizite Gewalt
  • Kannibalismusdarstellungen
  • Verstümmelungen
  • sexuelle Gewalt
  • echte Tierötungen während der Dreharbeiten (u. a. Krokodil und Leguan)

Gerade die Kombination aus gespielter Gewalt und tatsächlich getöteten Tieren machte den Film zu einem der umstrittensten Vertreter des italienischen Kannibalenfilms.


Aufhebung des Verbots

Nach rund 40 Jahren änderte sich die Rechtslage:

  • 2022
  • Streichung von der Liste B
  • Aufhebung der Beschlagnahme
  • keine Indizierung mehr

Dadurch konnte der Film erstmals offiziell und ungekürzt in Deutschland erscheinen.


Situation in anderen Ländern

Italien

  • reguläre Kinoauswertung
  • keine dauerhafte Beschlagnahme

USA

  • unter dem Titel Eaten Alive!
  • lange Zeit nur als Import erhältlich
  • später mehrere ungekürzte Veröffentlichungen auf DVD und Blu-ray

Großbritannien

  • zeitweise problematisch im Umfeld der sogenannten „Video Nasties“.
  • Der Film gehörte zwar zu den kontrovers diskutierten Kannibalenfilmen, stand aber nicht dauerhaft auf der offiziellen Liste der beschlagnahmten „Video Nasties“. Veröffentlichungen erfolgten später in gekürzter und schließlich auch ungekürzter Form.

Besonderheiten

Der Film orientiert sich lose an zwei damals viel diskutierten Ereignissen:

  • dem Massenselbstmord der People’s Temple-Sekte unter Jim Jones (Jonestown, 1978),
  • dem Erfolg des Films Cannibal Holocaust, dessen Popularität den italienischen Kannibalenfilm maßgeblich prägte.

Veröffentlichungen in Deutschland

Der Film erschien im Laufe der Jahre u. a. bei:

  • Bavaria Tape (VHS)
  • XT Video
  • Nameless Media (Blu-ray/4K UHD)
  • Cinestrange Extreme (Import) (Schnittberichte)

Erwähnenswert, dass „Lebendig gefressen“ zu den bekanntesten Vertretern des italienischen Kannibalenfilm-Booms der späten 1970er- und frühen 1980er-Jahre zählt und neben Cannibal Ferox und Cannibal Holocaust zu den am häufigsten indizierten und beschlagnahmten Genrefilmen in Deutschland gehörte.