12 beschlagnahmen von Astro Titeln (BPS/JMS Report) und ein Bericht zur Astro Hausdurchsuchung im BPS/JMS Report der aber aus der Video Woche stammt.
Astro unter Beschuss – Als im Jahr 2000 gleich zwölf Horrorfilme beschlagnahmt wurden
Die Titelseite des Jugend Medien Schutz-Reports vom November 2000 dokumentiert eine der aufsehenerregendsten Beschlagnahmeaktionen gegen einen deutschen Horrorfilm-Vertrieb der damaligen Zeit. Im Mittelpunkt steht die Kasseler Firma Astro Distribution, gegen die im Juli 2000 gleich zwölf Medien aufgrund des § 131 StGB (Gewaltdarstellung) beschlagnahmt wurden.
Betroffen waren überwiegend ungeschnittene Fassungen bekannter italienischer und internationaler Horror- und Exploitationfilme, darunter Klassiker wie Cannibal Holocaust, Die Hölle der lebenden Toten, Invasion der Zombies, Last House on the Left, Living Dead Girl, Maniac, Mark of the Devil, Muttertag, Nightmare Concert, Paura sowie Laserdisc-Ausgaben von Last House on the Left. Zusätzlich wurde auch ein Heft wegen jugendgefährdender Inhalte beschlagnahmt.
Besonders interessant ist jedoch der Begleitartikel „Durchsuchung bei Astro“. Darin wird berichtet, dass am 7. November 2000 die Wohn- und Geschäftsräume von Astro-Chef Oliver Krekel auf Grundlage eines richterlichen Beschlusses durchsucht wurden. Hintergrund waren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Kassel wegen der Veröffentlichung indizierter bzw. beschlagnahmter Filme. Obwohl zahlreiche Titel sichergestellt wurden, betonte Krekel, dass viele der betroffenen Kassetten bereits nicht mehr im Vertrieb gewesen seien und daher nur eine geringe Stückzahl beschlagnahmt werden konnte.
Bemerkenswert sind Krekels Aussagen im Artikel. Er kritisiert die aus seiner Sicht willkürliche Beschlagnahmepraxis und verweist auf erhebliche Unterschiede zwischen verschiedenen Fassungen eines Films. Als Beispiel nennt er Zombie (1979), dessen neuere, gekürzte Fassung mit FSK-18-Freigabe deutlich umfangreicher sei als die bereits Jahre zuvor beschlagnahmte VHS-Version. Nach seiner Auffassung zeige dies die Widersprüche der damaligen Rechtsprechung.
Rückblickend markiert diese Ausgabe des Jugend Medien Schutz-Reports einen wichtigen Abschnitt der deutschen Zensurgeschichte. Sie dokumentiert nicht nur eine groß angelegte Beschlagnahmewelle gegen einen der bekanntesten Independent-Horrorfilmverleiher Deutschlands, sondern verdeutlicht auch den Konflikt zwischen Strafverfolgungsbehörden und den Vertreibern ungekürzter Genrefilme. Für Sammler und Filmhistoriker zählt diese Ausgabe daher zu den bedeutenden zeitgeschichtlichen Dokumenten über die deutsche Beschlagnahmepraxis der frühen 2000er Jahre.
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