FEAR – Todesangst – BRD VHS – CONCORDE VIDEO – PRESSEKASSETTE – WENDECOVER
by uk501
Mit Dust Devil schuf Regisseur Richard Stanley einen außergewöhnlichen Horrorfilm, der sich bewusst von den typischen Genreproduktionen der frühen 1990er-Jahre abhebt. Statt auf permanente Schockeffekte setzt der Film auf eine hypnotische Atmosphäre, afrikanische Mythologie und eindrucksvolle Bilder der Namib-Wüste. Das Ergebnis ist eine ungewöhnliche Mischung aus Horrorfilm, Road Movie, Mystery und modernem Western, die sich im Laufe der Jahre zu einem echten Kultfilm entwickelt hat.
Irgendwo in der endlosen Weite der Namib-Wüste treibt ein geheimnisvoller Fremder sein Unwesen. Er erscheint als freundlicher Anhalter, besitzt jedoch übernatürliche Kräfte. Seine Opfer – meist einsame oder verzweifelte Frauen – verfallen seiner mystischen Ausstrahlung. Nach einer gemeinsamen Nacht folgt jedoch stets der grausame Tod. Der mysteriöse Wanderer ist weit mehr als nur ein Serienmörder. Nach dem Glauben der Einheimischen handelt es sich um einen uralten Dämon, einen sogenannten Dust Devil, der durch rituelle Morde die Seelen seiner Opfer sammelt und daraus seine Kraft bezieht. Als die junge Wendy Robinson, die selbst vor ihrer gescheiterten Ehe flieht, den Fremden mitnimmt, gerät auch sie in seinen Bann. Erst allmählich erkennt sie, wem sie begegnet ist. Gemeinsam mit dem erfahrenen Polizisten Ben Mukurob, der den Dämon seit Jahren verfolgt, beginnt ein verzweifelter Kampf gegen das übernatürliche Wesen. Das Finale führt tief in die endlose Wüstenlandschaft Namibias, wo Mythos und Realität miteinander verschmelzen.
Dust Devil entstand nach Richard Stanleys erfolgreichem Debüt Hardware MARK 13. Die Idee zum Film geht auf einen Traum zurück, den Stanley während seiner Zeit an der Filmhochschule in Kapstadt hatte. Gedreht wurde fast vollständig in der spektakulären Landschaft Namibias. Während der siebenwöchigen Dreharbeiten sorgte der feine Wüstensand sogar dafür, dass insgesamt 16 Fahrzeuge unbrauchbar wurden.
Besonders bekannt wurde der Film durch seine problematische Produktionsgeschichte. Stanleys ursprünglicher Director’s Cut war rund 120 Minuten lang. Der amerikanische Verleih Miramax war mit dieser Fassung jedoch unzufrieden und kürzte den Film ohne Beteiligung des Regisseurs drastisch auf etwa 87 Minuten. Dabei wurden zahlreiche übernatürliche Elemente entfernt, wodurch der Film deutlich an Atmosphäre verlor. Erst viele Jahre später gelang es Richard Stanley, das Originalmaterial wiederzufinden und mit dem Final Cut seine ursprünglich geplante Version fertigzustellen. Diese gilt heute als die definitive Fassung des Films.
Die deutsche VHS erschien bei Highlight Video mit folgenden technischen Daten:
Vor dem Hauptfilm befanden sich Trailer zu:
Auch Dust Devil blieb in Deutschland nicht von einer Indizierung verschont. Die VHS-Veröffentlichung wurde am 31. August 1993 in den Index der Bundesprüfstelle aufgenommen. Nach Ablauf der gesetzlichen Frist erfolgte am 16. August 2018 die Listenstreichung. Seitdem darf der Film wieder frei beworben und verkauft werden.
Dust Devil ist kein typischer Splatterfilm und auch kein gewöhnlicher Serienkiller-Thriller. Richard Stanley verbindet afrikanische Mythologie, übernatürlichen Horror und die Bildsprache klassischer Italowestern zu einem außergewöhnlichen Genrefilm. Gerade die beeindruckenden Aufnahmen der Namib-Wüste, der eindringliche Soundtrack von Simon Boswell und die fast traumartige Inszenierung verleihen dem Film eine ganz eigene Atmosphäre.
Die ursprünglichen Kürzungen schadeten dem Film zwar erheblich, doch mit dem später veröffentlichten Final Cut lässt sich Stanleys ursprüngliche Vision heute endlich erleben. Für Fans ungewöhnlicher Horrorfilme und Sammler klassischer VHS-Veröffentlichungen gehört Dust Devil zweifellos zu den interessantesten Genreproduktionen der frühen 1990er-Jahre.