{"id":10020,"date":"2026-07-14T21:09:28","date_gmt":"2026-07-14T19:09:28","guid":{"rendered":"https:\/\/retrospektive-film.de\/board\/?p=10020"},"modified":"2026-07-14T21:09:28","modified_gmt":"2026-07-14T19:09:28","slug":"bps-stellungsnahme-zu-astro-und-muttertag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/retrospektive-film.de\/board\/bps-stellungsnahme-zu-astro-und-muttertag\/","title":{"rendered":"BPS Stellungsnahme zu Astro und Muttertag"},"content":{"rendered":"ngg_shortcode_0_placeholder\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Stellungnahme der BPjS zu \u201eMuttertag\u201c \u2013 Ein aufschlussreiches Dokument zur Beschlagnahmepraxis der 1990er Jahre<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die vorliegende Seite aus dem <strong>JMS-Report (Dezember 1998)<\/strong> vermittelt einen seltenen Einblick in die damalige Praxis der <strong>Bundespr\u00fcfstelle f\u00fcr jugendgef\u00e4hrdende Schriften (BPjS)<\/strong> und den Umgang mit sogenannten <strong>inhaltsgleichen Wiederver\u00f6ffentlichungen<\/strong> beschlagnahmter Filme. Gleichzeitig zeigt sie, wie stark die Firma <strong>Astro Distribution<\/strong> bereits Ende der 1990er Jahre im Fokus der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden stand.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die BPjS best\u00e4tigt die Inhaltsgleichheit von \u201eMuttertag\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Mittelpunkt der Seite steht die Stellungnahme der BPjS zum Film <strong>\u201eMuttertag\u201c (Mother&#8217;s Day)<\/strong>, den Astro Distribution erneut auf Video ver\u00f6ffentlicht hatte. Da die urspr\u00fcngliche Kinofassung bereits <strong>1985 bundesweit nach \u00a7 131 StGB eingezogen<\/strong> worden war, wollte ein Videothekar von der BPjS wissen, ob die neue Videofassung ebenfalls betroffen sei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Antwort fiel eindeutig aus: Nach Auffassung der BPjS bestand <strong>Inhaltsgleichheit<\/strong> zwischen Kino und Videofassung. In einem abgedruckten Schreiben erkl\u00e4rt die Beh\u00f6rde, dass deshalb auch die Videofassung als bundesweit eingezogen gelte. W\u00f6rtlich wird darauf hingewiesen, dass Medien, die den Straftatbestand des \u00a7 131 StGB erf\u00fcllen, nicht nur jugendgef\u00e4hrdend, sondern sogar sozialsch\u00e4dlich seien und ihre Verbreitung grunds\u00e4tzlich verboten sei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Sammler ist diese Passage besonders interessant, weil sie dokumentiert, wie die Beh\u00f6rden Ende der 1990er Jahre den Begriff der <strong>Inhaltsgleichheit<\/strong> auslegten. Es musste nicht zwangsl\u00e4ufig ein neuer Gerichtsbeschluss gegen jede einzelne Ver\u00f6ffentlichung ergehen \u2013 war eine neue Fassung inhaltlich mit einer bereits beschlagnahmten Version identisch oder weitgehend identisch, wurde sie nach damaliger Auffassung ebenfalls als von der Beschlagnahme erfasst angesehen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Begr\u00fcndung der Beschlagnahme<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der JMS-Report druckt au\u00dferdem Ausz\u00fcge aus dem urspr\u00fcnglichen Einziehungsbeschluss des Amtsgerichts M\u00fcnchen vom <strong>9. September 1985<\/strong> ab. Darin wird argumentiert, dass der Film eine Vielzahl brutaler Folter- und T\u00f6tungsszenen enthalte und Gewalt in einer Weise darstelle, die sie als akzeptables Mittel zur Konfliktl\u00f6sung erscheinen lasse. Insbesondere die ausf\u00fchrliche Darstellung von Grausamkeiten und das Leiden der Opfer wurden als ma\u00dfgebliche Gr\u00fcnde f\u00fcr die Beschlagnahme genannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus heutiger Sicht zeigt diese Begr\u00fcndung sehr deutlich, welche Ma\u00dfst\u00e4be Gerichte Mitte der 1980er Jahre bei der Anwendung des \u00a7 131 StGB anlegten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Leserbrief stellt Astro-Ver\u00f6ffentlichungen infrage<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf derselben Seite findet sich ein Leserbrief mit der \u00dcberschrift <strong>\u201eFirma Astro gesetzesfrei?\u201c<\/strong>. Der Verfasser \u00e4u\u00dfert Unverst\u00e4ndnis dar\u00fcber, dass Astro zahlreiche Filme ver\u00f6ffentliche, die seiner Ansicht nach l\u00e4ngst verboten werden m\u00fcssten. Gleichzeitig kritisiert er, dass manche Filme unter neuen Titeln erschienen oder ungeschnittene Fassungen zus\u00e4tzliche Gewaltszenen enthielten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Leser fordert die Beh\u00f6rden auf, s\u00e4mtliche Ver\u00f6ffentlichungen von Astro systematisch zu \u00fcberpr\u00fcfen. Dieser Leserbrief verdeutlicht, dass die Diskussion um Horrorfilme Ende der 1990er Jahre nicht nur von Beh\u00f6rden und Gerichten gef\u00fchrt wurde, sondern auch innerhalb der Sammler- und Videothekenbranche kontrovers diskutiert wurde.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ermittlungen gegen Astro<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abgerundet wird die Seite durch eine kurze Meldung \u00fcber <strong>13 Strafanzeigen gegen Astro Distribution<\/strong>. Die Staatsanwaltschaft Kassel best\u00e4tigte damals Ermittlungen wegen des Verdachts, gewaltverherrlichende Schriften im Sinne des \u00a7 131 StGB verbreitet zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Astro-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer <strong>Oliver Krekel<\/strong> zeigte sich in dem Bericht vergleichsweise gelassen. Nach seiner Darstellung seien keine Kassetten sichergestellt worden, viele der beanstandeten Filme habe er den Ermittlern bereits selbst vorgelegt. Gleichzeitig k\u00fcndigte er an, problematische Titel gegebenenfalls aus dem Sortiment zu nehmen, sollte sich ihre Strafbarkeit best\u00e4tigen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Historische Einordnung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese JMS-Report-Seite dokumentiert eindrucksvoll die Situation der deutschen Horrorfilmszene Ende der 1990er Jahre. Sie zeigt einerseits, wie konsequent die Beh\u00f6rden gegen vermeintlich inhaltsgleiche Wiederver\u00f6ffentlichungen beschlagnahmter Filme vorgingen, und andererseits, wie stark Astro Distribution als einer der wichtigsten Anbieter ungek\u00fcrzter Horrorfilme unter Beobachtung stand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Filmhistoriker und Sammler ist dieses Dokument besonders wertvoll, weil es die damalige Rechtsauffassung zur <strong>Inhaltsgleichheit<\/strong> sowie die zunehmenden Ermittlungen gegen unabh\u00e4ngige Filmverleiher anhand zeitgen\u00f6ssischer Originalquellen nachvollziehbar macht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellungnahme der BPjS zu \u201eMuttertag\u201c \u2013 Ein aufschlussreiches Dokument zur Beschlagnahmepraxis der 1990er Jahre Die vorliegende Seite aus dem JMS-Report (Dezember 1998) vermittelt einen seltenen Einblick in die damalige Praxis der Bundespr\u00fcfstelle f\u00fcr jugendgef\u00e4hrdende Schriften (BPjS) und den Umgang mit sogenannten inhaltsgleichen Wiederver\u00f6ffentlichungen beschlagnahmter Filme. 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